Probleme

Fischauge sei wachsam

 

Ich habe mir über die e-Bucht ein gebrauchtes Peleng-Fisheye (genauer: 8 mm, f3,5, zirkular mit Canon-EF-Bajonett) gekauft. Ich will hier einmal kurz die ersten Erfahrungen mit dieser Optik schildern.

Es handelt sich bei dem Objektiv um ein Weißrussisches Russisches Fabrikat; offenbar gebaut, um einen Atomerstschlag zu überstehen: Das Objektiv ist wie ein Panzer gebaut: alles aus Metall und aus dem Vollen gefräst.

Das Objektiv ist voll manuell, das heißt, es besitzt einen Fokusring und einen Blendenring. Wenn man nicht gerade Objekte im Vordergrund hat, die scharf sein sollen, funktioniert das Fokussieren auf unendlich sehr gut. Direktes anfokussieren nur mit Hilfe des Sucherbildes ist allerdings schwierig. Einfacher ist es da, die Entfernung zu schätzen und diese am Ring einzustellen. Die Tiefenschärfe bei 8 mm ist ohnehin sehr groß.

Was die Blende angeht, kann man es standardmäßig auf Blende 8 oder 11 abgeblendet lassen. Bei Offenblende zeichnet das Objektiv sich nicht gerade durch Schärfe aus. Bei Innenaufnahmen ist also ein Stativ anzuraten, wenn man nicht den ISO-Wert hochschrauben möchte. Bei der Belichtungsmessung mittels der Kamera muss darauf geachtet werden, dass der Ring hinter dem Blendenring in Position „Lock“ gestellt wird: damit schließe ich die Blende auf den eingestellten Wert. An der Kamera kann ich dann mit „M“ oder „Av“ arbeiten. Die automatische Belichtung bei „Av“ funktioniert gut, vorausgesetzt ich habe die Blende am Objektiv auch auf „Lock“ gestellt. (Die Kamera selbst zeigt als Blendenwert nur „00“ an.)

Alles in allem also ein guter erster Eindruck, vor allem für den günstigen Preis.

Der erste Wermutstropfen (um nicht zu sagen: Adrenalinschuss) erfolgte dann allerdings, als ich das Objektiv zum ersten Mal an meine EOS 5D Mark II anschloss. Dass das Bajonett ein wenig wacklig sitzt, mag noch zu verkraften sein. Was mir allerdings die Schweißperlen auf die Stirn trieb: der Spiegel blieb beim Auslösen an der Hinterseite des Objektivs hängen. Glücklicherweise hat es die Kamera überstanden. Das Objektiv ragt hinten so weit in das Gehäuse hinein, dass der Spiegel nicht frei klappen kann. Dies also bitte als eine eindeutige Warnung verstehen!

Das Ergebnis ist dann allerdings schon faszinierend: ein Zirkular-Fisheye wirft ein kreisrundes Bild auf den Sensor (Bild von meinem Balkon aus geschossen).

 

Wie kann ich aber jetzt kreisrunde Bilder schießen, ohne dass ich meinen Spiegel ständig in Gefahr bringe? Ich habe die Kamera ohne Objektiv drauf eingeschaltet, den LiveView Modus angeschaltet, dann das Objektiv aufgesetzt und das Foto gemacht. Dann vor dem abschalten (oder auch Wechseln des Modus!) das Objektiv wieder abnehmen! Nicht ganz unumständlich … Das Bildergebnis selbst zeigt im Randbereich zum einen einiges an Unschärfe; zum anderen auch Reflexe: wahrscheinlich teilweise dadurch verschuldet, dass das Objektiv keine Streulichtblende besitzt. Der direkte Randbereich ist also im Grunde nicht verwendbar.

Also eine Idee: ich setze das Fisheye auf meinen Kenko Telekonverter 1,4x. Der Vorteil: keine Gefahr mehr für den Spiegel. Der Nachteil: weniger Bildausschnitt. In Sachen Bildschärfe konnte ich keinen Unterschied zu mit oder ohne Telekonverter erkennen (das kommt natürlich auf den Telekonverter an).

 

Diese Art der Verwendung ist also vom Bildausschnitt her vor allem für Panoramas gut geeignet, da links und rechts nichts von dem ursprünglichem Kreis abgeschnitten wird.

Als nächstes habe ich das Objektiv auf meine EOS 40D gesetzt (ohne Telekonverter). Durch den Cropfaktor von 1,6 besitzt die 40D einen deutlich kleineren Spiegel: hier gibt es keine Gefahr der Beschädigung. Das Ergebnis zeigt dann, dass von der kreisförmigen Abbildung ein rechteckiger Ausschnitt bleibt, wenn auch mit deutlicher Vignettierung. Der Ausschnitt ist kleiner als der mit Telekonverter an der Vollformat-Kamera.

 

An Kameras mit Crop-Faktor ist das Objektiv also problemlos nutzbar. Die interessanten Verzerrungseffekte bleiben bestehen und der Beschnitt am Rand ist doch so gering, dass man fast immer noch ein 180° Panorama erhält. Die Ränder, die hier abgeschnitten werden, würde man aufgrund der Unschärfe hinterher vermutlich ohnehin wegschneiden.

Hier noch zwei Bilder, die ich mit der 5D Mark II + 1,4x Telekonverter + 8 mm Fisheye geschossen habe:

 

Fazit: Ein schönes Spielzeug zu einem guten Preis, allerdings mit einigen Einschränkungen (insbesondere das Spiegel-Problem an der Vollformat-Kamera). In wieweit ich das Objektiv tatsächlich im „Produktiveinsatz“ haben werde, wird sich noch zeigen. Ich werde vor allem im Architekturbereich sicherlich noch einige Versuche machen.